8
339
verluſt entgegen; aber dies that ſeiner Theilnahme kei⸗ nen merklichen Abbruch, als er voll Mitleid auf die bei⸗ den Geſchwiſter niederſchaute, die in ſo früher Jugend ſchon den Jammer kennen lernen ſollten. Als er erfuhr, in welcher Abſicht Maggie gekommen und wie ſehr ſie die Abreiſe beeilte, that er ſelbſt auch allen Vorſchub, flüſterte aber dabei Mrs. Stelling, welche ihm gefolgt war, etwas zu, worauf dieſe als⸗
bald das Zimmer verließ.
Tom und Maggie ſtanden auf der Hausflur⸗ ſchwelle und waren eben im Begriff, ſich zu ent⸗ fernen, als Mrs. Stelling mit einem Körbchen nach⸗ kam, das ſie Maggie mit den Worten an den Arm hing:„Vergeßt nicht, unterwegs etwas zu eſſen, meine Lieben.“ Bei dieſer Anſprache ging Maggie das Herz auf gegen die Frau, welche ihr vorher zu⸗ wider geweſen, und ſie küßte ſie ſchweigend. Dies war von Seiten des armen Kindes die erſte Kund⸗ gebung des neuen Gefühls, das aus dem Leid ent⸗ ſpringt, ich meine jene gerührte Empfönglichkeit, welche ſelbſt in den einfachſten humanen Handrei⸗ chungen wahre Liebesdienſte erkennt, wie bei den hageren Männern unter den Eisbergen ſchon die bloße Anweſenheit eines gewöhnlichen Kameraden die tiefen Quellen der Liebe aufſchließt.
Mr. Stelling legte ſeine Hand auf Toms Schul⸗ ter und ſagte:„Gott behüte Euch, mein Sohn; laßt mich hören, wie es Euch geht.“ Dann drückte er Maggie's Hand, aber ohne ein hörbares„Gott behüt.“ Tom hatte ſich oft vorgeſtellt, wie glücklich er ſich an dem Tag fühlen werde, an welchem er die Schule„als fertig“ verlaſſe. Und nun kamen


