Teil eines Werkes 
3 (1861) Adam Bede
Entstehung
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füllung alles deſſen zu entſtehen vermöchte wonach ſie ſich geſehnt und wovon ſie geträumt hatte. Es fehlte ihr an allen Ideen um ſich von dieſem Unglück einen Vegriff zu machen.

Als ſie den Brief wieder hinwarf, erblickte ſie ihr Geſicht im Spiegel, es war jezt roth und naß von Thränen; es war ihr beinahe wie ein Freund welchem ſie klagen könnte und der ſie bemitleiden würde. Sie beugte ſich auf ihren Ellenbogen vor⸗ wärts, ſchaute in dieſe dunkeln überfluthenden Augen, auf dieſen zitternden Mund, und ſah wie die Thrä⸗ nen immer dicker kamen, wie der Mund vor Schluchzen krampfhaft zuckte.

Die Erſchütterung ihrer ganzen kleinen Traum⸗ welt, der zermalmende Schlag auf ihre neugeborne Leidenſchaft traf ihre vergnügungsſüchtige Natur mit einem überwältigenden Schmerz, der jeden Drang zum Widerſtand vernichtete und ihren Zorn nicht aufkommen ließ. Sie ſaß ſchluchzend da bis das Licht ausging, dann warf ſie ſich erſchöpft, leidend, betäubt von Weinen, ſammt ihren Kleidern auf das Bett und ſchlief ein.

Es war ein ſchwaches Zwielicht im Zimmer, als Hetty kurz nach vier Uhr mit einem Gefühl dumpfen Jammers erwachte, deſſen Urſache ihr erſt allmählig klar wurde, als ſie die Gegenſtände um ſich her zu erkennen begann, und dann kam der beängſtigende Gedanke daß ſie in dem traurigen Tageslicht das jezt anbrach ihren Jammer nicht bloß tragen, ſon⸗ gern auch verbergen müſſe. Sie konnte nicht länger liegen bleiben: ſie ſtand daher auf und trat an den Tiſch wo der Brief lag; ſie öffnete ihr Schazkäſtchen: