—
2⁵⁵
ſage nur wenig von dem was ich auf dem Herzen habe. Grüßet Eure Mutter mit einem Kuſſe von mir. Ich durfte ſie beim Abſchied zweimal küſſen.“ Adam hatte den Brief wieder zuſammengelegt und ſaß nachdenklich, den Kopf auf ſeinen Arm ge⸗ ſtüzt, oben auf ſeinem Bett, als Seth die Treppe heraufkam. „Haſt Du den Brief geleſen?“ „Ja,“ antwortete Adam.„Ich weiß nicht was ich von ihr und ihrem Brief gedacht haben würde wenn ich ſie nicht geſehen hätte, gewiß würde ich ein predigendes Weib für abſcheulich gehalten haben. Aber bei ihr erſcheint Alles recht was ſie ſagt und thut, und als ich ihren Brief durchlas, war es mir als ob ich ſie vor mir ſähe und reden hörte. Es iſt merkwürdig wie genau ich mich ihrer Blicke und ihrer Stimme erinnere. Sie würde Dich ungemein glücklich machen; ſie wäre juſt das rechte Weib für Dich.“ „Daran iſt leider nicht zu denken,“ antwortete Seth verzagt.„Sie hat ſo entſchieden geſprochen, und ſie iſt nicht diejenige die Etwas ſagt und etwas Anderes thut.“ „Nein, aber ihre Gefühle können ſich ja auch verändern. Ein Mädchen kann allmählig zur Liebe kommen. Das Beſte bei ihr iſt nicht dasjenige was am ſchnellſten aufflackert. Du ſollteſt gelegentlich hingehen und ſie beſuchen: ich will es ſchon einrich⸗ ten daß Du drei oder vier Tage weg kannſt, und für Dich iſt es ja kein weiter Weg, bloß zehn oder zwölf Stunden.“ „Ich möchte ſie allerdings gerne beſuchen, wie


