trachtete ſich heute Abend mit ganz anderem Ver⸗ gnügen als ſonſt; es war ein unſichtbarer Zuſchauer da, deſſen Auge auf ihr ruhte wie der Morgen auf den Blumen. Seine ſanfte Stimme wiederholte ihr einmal ums andere all die hübſchen Dinge die ſie im Walde gehört hatte, ſein Arm hielt ſie umſchlungen, und der zarte Roſenduft ſeines Haares umgab ſie noch immer. Die eitelſte Frau wird ſich ihrer Schön⸗ heit nur dann vollkommen bewußt wenn ſie von dem Manne geliebt wird der ihre eigene Leidenſchaft in Flammen zu ſezen weiß.
Aber Hetty ſchien ſich in den Kopf geſezt zu haben daß noch Etwas fehle; denn ſie ſtand auf, nahm aus dem Weißzeugkaſten ein altes ſchwarzes Spizentuch und holte aus der geweihten Schublade worin die Wachskerzen gelegen große Ohrringe her⸗ vor. Es war ein uraltes Spizentuch, voll von Riſſen, aber es ſaß vortrefflich um ihre Schultern und hob ihren weißen Vorderarm aufs beſte hervor. Und nun zog ſie die kleinen Ohrringe heraus die ſie gewöhnlich trug— wie hatte ihre Tante geſcholten als ſie ihre Ohren ſtechen ließ!— und ſezte dieſe großen hinein; ſie waren bloß von farbigem Glas und vergoldet; aber wenn man das nicht wußte, ſo ſahen ſie juſt ſo ſchön aus wie die von vornehmen Damen. Und ſo ſezte ſie ſich wieder mit den großen Ringen in den Ohren, und das ſchwarze Spizentuch rund um ihre Schultern gelegt. Sie ſchaute auf ihre Arme hinab; bis auf ein kleines Stück unter dem Ellenbogen waren ſie ſo hübſch wie man ſich nur Arme denken kann, weiß und rund, und mit Grübchen darin wie in den Wangen; aber gegen das


