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Charles Denoi, oder das Vorgefühl des väterlichen Herzens. Wigo der Kühne, oder die Freischützen in Böhmen [u.a.] / von H. A. G. Egloffstein
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trice, ſo war ihr Name, ſah ein, wie un⸗ gebildet ich als ein Mädchen von zehn Jahren ſei, und da ſie Fähigkeiten und den beſten Willen bei mir wahrnahm, ſo war es von nun an ihr ämſiges Beſtreben, mich in Allem zu unterrichten, und das, was ich an Aus⸗ bildung meines Verſtandes erlangt habe, ver⸗ danke ich ihr allein. Sie unterrichtete mich in der Religion, Muſik, Welt⸗ und Erdkun⸗ de, Geſchichte u. ſ. w., und in allen weibli⸗ chen Arbeiten. Sie beſaß viele gute Bücher, ließ manche neue kommen, und brachte mir Geſchmack am Leſen bei. Jetzt hatte ich auch mehr Freiheit, und durfte mit der Signora auſſerhalb des Schloſſes luſtwandeln. Oft beſchwerte ich mich bei ihr über das Unrecht meiner Gefangenſchaft, und bat ſie, mir den Urheber derſelben zu nennen. Allein darüber ſowohl, als über meine Abkunft konnte ich nie etwas Beſtimmtes erfahren, indem ſie ſich mit gänzlicher Unwiſſenheit hierin jedes⸗ mal entſchuldigte, auch wollte ſie mir nie den wahren Eigenthümer des Schloſſes nennen, weil dieſes ihr ſchärfſtens verboten ſei.