Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
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jetzt ihre Rechte geltend; aber welche Ueberwindung koſtete es mich, ihrem Gebot Folge zu leiſten! Die Kehle war mir wie zugeſchnürt; jede Fiber zitterte mir wie im Delirium; es war mir zu Muthe, als ſäße ich vor einem Henkersmahle.

Der Tage neigte ſich bereits ſtark zu Ende, als mein Wagen an den erſten Häuſern von Torre del Greco vorüberrollte. Die Schatten der Dämmerung ſchienen ſich heute raſcher über den Golf zu breiten, als ſonſt. Capri und die Landzunge von Sorrent lagen, von einem weißlichen Nebel verhüllt, wie ge⸗ ſpenſtiſche Wolken über dem Waſſerſpiegel. Kein Luft⸗ hauch regte ſich in den ſchlummernden Wipfeln der Cypreſſen. Ueber der ganzen Natur laſtete es wie eine ungeheure Beklemmung.

Margherita kam mir auf der Treppe entgegen. Ich konnte ihr Antlitz nicht mehr erkennen; aber der holde, beſtrickende Klang ihrer Stimme durchrieſelte mich mit allen Schauern der Wonne und der Ver⸗ zweiflung. Sie legte die beiden Hände auf meine Schultern und küßte mich.

Du bleibſt lange, Enrico! flüſterte ſie in zärt⸗ lichem Tone.Schon ſeit einer Stunde ſitze ich auf der Terraſſe und ſchaue nach Dir aus, Du lieber,

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