Laſters überſetzt. Ach, die gefährlichſte Schlinge, welche die Leidenſchaft uns legt, iſt eben das Ge⸗ wand der Tugend, in welches ſie ſich hüllt! Jetzt ſtand die Wahrheit nackt vor mir, und ich erkannte mich für den elendeſten, niedrigſten aller Men⸗ ſchen..
Was nun beginnen? was ſollte nun geſchehen? Sollte ich vor die Herzogin hintreten, ihr ſagen, daß ſie entehrt, durch mich entehrt war? Das Herz ſtockte bei dieſem Gedanken mir in der Bruſt. Ach was war aus unſerm Glücke geworden? O ſchöner Traum, du hatteſt nur die Dauer eines Traumes. Die Fol⸗ gen meines Verbrechens waren nicht abzuwenden, der Schaden nnerſetzlich. Wenn ich mich jetzt mit der Herzogin vermählte, welche neue Schändlichkei⸗ ten würde man nicht erſinnen, um ihre Ehre zu brand⸗ marken! Ich mußte fort, mußte die Geliebte ver⸗ laſſen, ich fühlte, daß dies unerläßliche Pflicht war; aber ich wendete mein Ange von dieſer Nothwendig⸗ keit, als von einem grauſigen Geſpenſte ab. Ich ſchauderte vor dieſem letzten Unglücke zurück, ich konnte dieſe Trennung nicht als etwas Mögliches denken. Fern von ihr, bot mir ja die ganze weite Erde keinen Zufluchtsort; alles war öde, unwirthli⸗ che Steppe, ſie nur machte mir das Vaterland zum Vaterlande, ohne ſie war die Welt ein weites Exil. Der grauſame Schmerz raubte mir ſelbſt die Kraft, im Zuſammenhange zu denken; ich fühlte wohl, daß ich flieben mußte, ich wußte wohl, daß ich Rache üben wollte an dem Herzog v. C., den mein Oheim mir als einen der Urheber jener boshaften Verlaum⸗ dung genannt hatte, aber Schmerz und Verzweiflung


