Teil eines Werkes 
[2. Bd.] (1859)
Entstehung
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ſind Stiefmütterchen ſie bedeuten, daß Du an mich denkeſt.

Indem ſie dieſe zärtlichen Worte ſprach, welche Shak⸗ ſpeare der Geliebten Hamlets in den Mund legt, drückte ſie den Rosmarin und die Stiefmütterchen an ihre Lippen, dann vegann ſie in Thränen auszubrechen.

Als Lucian ſie weinen hörte, kam er zu ihr geſprungen und betrachtete ſie mit jener naiven Neugier der Kindheit, die ſtets aufmerkſam iſt auf äußere Kundgebungen, deren Urſa⸗ chen ihr nicht erklärlich ſind und die ſtets an dem Schmerz oder der Freude Anderer theilnimmt, ohne zu wiſſen weshalb.

Mehr bedurfte es nicht für die arme Einſiedlerin, um ih⸗ ren Thränen Stillſtand zu gebieten. Sie trocknete ſich die Au⸗ gen, ſtand auf, faßte den Kleinen mit der einen Hand, wäh⸗ rend ſie in der andern einige der Blumen mitnahm.

Es wird ſpät,« ſagte ſie;»komm, mein Engel. Wir wollen wieder ins Haus zurückkehren. Deine Mutter erwartet Dich ſicher ſchon längſt.

Die junge Dame lenkte ihre Schritte nach der Treppe, die in ihr Schlafzimmer führte, und ſtieg die Stufen hinauf, indem ſie zugleich ihrem kleinen Boten dieſelben mit erſteigen half. In dem Zimmer angelangt, welches ſie gegenwärtig zu bewohnen ſchien, ging ſie auf den kleinen Altar zu, kniete

vor demſelben nieder und betete, ohne die Hand des Knaben loszulaſſen.

In dieſem Augenblick öffnete ſich die Thür, welche in den Salon führte, und Suſanne trat in das Zimmer. Die Be⸗ tende erhob ſich und drehte ſich nach ihr herum, indem ſie ihr den kleinen Lucian zeigte.

Hier iſt euer Knabe, liebe Freundin, ſagte ſie.»Er