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Kopf vom Rumpfe trennt. Hal freilich, wenn Roſe nicht exi⸗ ſtirte, dann wäre es etwas Anderes und Ihr ſolltet dann ſo⸗ fort eure Stelle wieder einnehmen.⸗
So wie der Oberrichter ſprach, verdüſterten ſich die Züge des ehemaligen Henkers. Die ſonſt ſeinen Zügen aufgeprägte Stumpfheit wich dem Ausdruck einer unbezähmbaren Wild⸗ heit. Zu dem Ekel und Widerwillen, den ſein Anblick ge⸗ wöhnlich einflößte, geſellten ſich jetzt auch noch Furcht und Schrecken.
»Ha!« ſagte er mit dumpfer Stimme,„wenn wir nur Beide in einem und demſelben Zimmer eingeſperrt wären!«
Jeffreys hätte bei dieſer Antwort ſeine Freude beinah e hervorbrechen laſſen. Er hielt jedoch an ſich.
»Dieſen Zeitvertreib kann ich Dir verſchaffen, wenn Du es wünſcheſt,« ſagte er nachläſſig und indem er plötzlich einen vertraulichen Ton annahm⸗
„»Wann? wie?s fragte der Henker raſch.
„»Wann?— Sogleich. Wie?— Indem ich Befehl er⸗ theile, Dich mit ihm in Newgate in ein und dasſelbe Gefäng⸗ niß zu ſperren.«
„Und dann?« ſagte Ketch, indem er einen durchbohren⸗ den Blick auf den Oberrichter heftete.
„Das Uebrige iſt deine Sache.«
„Aber die Juſtiz?«
„Die Juſtiz? Bin ich nicht die Juſtiz? Uebrigens, ge⸗ ſetzt, die Juſtiz verurtheilte Dich zum Tode, iſt dann nicht immer ein Henker nöthig? Und da von zweien nur noch einer übrig iſt, ſo wird der König Dich begnadigen.“«


