Teil eines Werkes 
[1. Band] (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

von

103

Irländerin in die ihren, drückte ſie zärtlich und brach durch den Schmerz überwältigt in Thränen aus.

„Ha, das iſt zu viel!« rief Suſunne mit einer Aufwal⸗ lung, die aus dem innerſten Herzen kam.»Euer Edelſinn hat meinen ungerechten Zorn überwunden. Ihr begegnet mir wie einer Schweſter! Ihr ſprechet von Dankbarkeit, während ich mit Trotz und Spott auf den Lippen Euch feigerweiſe in eurem Unglück verhöhne! Lucy, überhäufet mich mit den härteſten Vorwürfen, ich habe ſie verdient, aber ich bitte Euch, zermal⸗ met mich nicht ſo unter der Wucht eurer Großmuth.«

„Ihr glaubt unrecht an mir gehandelt zu haben, aber dies iſt nicht der Fall; das, was Ihr meine Großmuth nen⸗ net, iſt nur Gerechtigkeit,« antwortete Luch, indem ſie ihre Thränen trocknete.

„O, es iſt vergeblich, daß Ihr meine Handlungsweiſe zu entſchuldigen ſucht,« rief Suſanne;»ſie verdient nur Ta⸗ del und Verachtung. Indem ich Euch meine Liebe für Lord Lisle ſchilderte, hatte ich die Abſicht, Euch das Herz zu zer⸗ reißen, denn ich kenne ſowohl die Anhänglichkeit, welche Ihr ſtets für ihn empfunden, als auch die Vermälungsprojecte, welche ſo lange Zeit zwiſchen Euch beſtanden und die ein un⸗ glückliches Zuſammentreffen von Umſtänden am Vorabend ihrer Verwirklichung zerſtört hat. Ich glaubte— wie ich noch glaube

— daß eure Freundſchaft gegen Lord Lisle— einen andern Ausdruck wage ich nicht zu gebrauchen— von ihrer Lebhaf⸗ tigkeit nichts verloren hat. Ihr ſehet, Miß Murray, daß ich eine ſchlechte That beging. Meine Rechtfertigung, wenn irgend etwas meinen Schritt rechtfertigen kann, liegt darin, daß ich euren Charakter nicht kannte. Ich hatte mir von eurer Per⸗ ſon einen Begriff gemacht, der dem, welchen ich jetzt habe, vollſtändig entgegengeſetzt war. Ich ſah in Euch eine jener