10²
Anzeichen von Beifall oder Mißbilligung gegeben. Die Hal⸗ tung der edlen Jungfrau war würdig und beſcheiden geblieben und keine ſchroffe oder unfreiwillige Geberde, nicht das min⸗ deſte Zucken hatte ihren Schmerz verrathen. Mit feſter Stimme antwortete ſie endlich der Schweſter Fitzgerald’s.
„Jetzt,« ſagte ſie,„glaube ich Euch, Miß Suſanne— mein ungerechter Argwohn iſt verſchwunden. Ich ziehe die Ge⸗ fahr, in welcher der Freund meiner Kindheit ſchwebt, nicht mehr in Zweifel, nur kann ich mir eure Anweſenheit in Brid⸗ gewater nicht erklären. Warum ſeyd Ihr nicht ſchon bei Lord Lisle? Wenn Ihr nun zu ſpät kämet?— Ha, dieſer Gedanke iſt entſetzlich!«
»Es hat nicht von mir abgehangen, Miß Lucy, ſchon in dem königlichen Lager zu ſeyn.“
„Nun, welches Hinderniß iſt Euch denn in den Weg ge⸗ kommen? Kann ich Euch in irgend einer Beziehung nützlich ſeyn? Habt Ihr mir nicht zu Anfange dieſer Unterredung ge⸗ ſagt, daß Henry's Leben in meinen Händen ſey? Erklärt Euch daher deutlicher— erklärt Euch—«
„Das, um was ich Euch bitten will, iſt für Euch wenig, für mich viel, für Henry Lisle Alles. Euer Vater bekleidet einen wichtigen Poſten und ſteht bei Monmouth's Armee in großem Anſehen. Es wird Euch, wenn Ihr von dieſem Anſe⸗ hen Gebrauch machen wollt, ſehr leicht ſeyn, mich dieſe Nacht durch die Linien eurer Schildwachen hindurch zu bringen, ſo daß ich ungehindert in Feversham's Lager gelangen kann.“
»Es iſt Henry's guter Engel, der Euch dieſen Gedanken eingegeben hat,« ſagte Lucy.»Miß Suſanne, wenn Ihr Lord Lisle rettet, ſo bin ich Euch ewig dankbar.⸗
Indem Luch dieſe Worte ſprach, faßte ſie die Hände der
n——


