Teil eines Werkes 
2Der Tiger von Tanger : historischer Roman : 2. Th. (1858)
Entstehung
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Aber wozu denn dieſer neue Mißbrauch der Macht?« fragte Lucy mit einem Gemiſch von Furcht und Entrüſtung.

Verzeihet mir, Miß Lucy, ich muß Euch geradezu ſagen, daß es diesmal kein Mißbrauch der Macht geweſen wäre. Einer der Spione des Oberrichters hat dieſem geſtern Abend Papiere überbracht, die er in Lauſanne geraubt hat. Dieſe Pa⸗ piere, die von euerm Vater unterzeichnet ſind, waren von ihm an Lord Lisle gerichtet und ich ſage Euch der ſtrengſten Wahr⸗ heit gemäß, daß dieſe Briefe auch in den Händen eines jeden andern Richters als Jeffreys ihren Verfaſſer auf tödtliche Weiſe compromittiren würden.*

Großer Gott, erbarme Dich mein!« murmelte Lucy, indem ſie, von ihrer Angſt überwältigt, auf die Knie nieder⸗ ſank und Augen und Hände zum Himmel emporhob.

Bei dieſer raſchen Bewegung hatte ſich ihr langes Haar aufgelöſt und wallte in blonden Wogen über ihre Schultern und ihr weißes Morgengewand, ſo daß ſie an jene Fülle von Gold erinnerte, welche der griechiſche Künſtler an den olym⸗ piſchen Bildern zu Delphi und Athen auf ſo edle Weiſe mit dem Elfenbein zu vermälen mußte.

Gott wacht über Euch und über euern Vater, Lucy, ſagte der Glücksritter, der ſie aufhob, indem er ſie bei den Händen faßte, die ſie in ihrer Aufgeregtheit ihm überließ.»Ja, Gott iſt es, der mich geſtern Abend zu dem Oberrichter führte Gott iſt es, welcher geſtattete, daß er mir jene Papiere und den bereits geſchriebenen Befehl zeigte, welchem zufolge Sir Charles Murray in der verwichenen Nacht feſtgenommen und ins Gefängniß gebracht werden ſollte Gott iſt es, der mir den Gedanken eingab, dieſen Verhaftsbefehl zu zerreißen.«

Und er ſegne Euch dafür Oberſt,« rief Luch mit über⸗