Teil eines Werkes 
1Der Tiger von Tanger : historischer Roman : 1. Th. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

42

heit hier eine ſehr bedeutſame. Würdet Ihr Euch wohl die Mühe genommen haben, in meinen Kerker herabzuſteigen, wenn eure eigene Verworfenheit in Verbindung mit eurer ſeltenen Menſchenkenntniß Euch nicht den Nutzen ahnen ließe, den Ihr vielleicht von mir ziehen könnt? Höret daher auf, dieſe Wuth zu heucheln, welche auf mich durchaus keinen Ein⸗ druck macht, wohl aber der Klarheit unſerer Unterredung ſchadet. Ich beginne.«

Die ſo ruhige und dreiſte Sprache des Verurtheilten äußerte auf Jeffreys eine eigenthümliche Wirkung. Anſtatt ſich abermals in Schmäh⸗ und Schimpfreden zu ergehen, lächelte er mit zufriedener Miene und rieb ſich freudig die Hände.

»Eine ſo ſuperbe Unverſchämtheit rechtfertigt meine Vermuthung,« murmelte er.»Ein Menſch, der in einer ſol⸗ chen Lage dergleichen Reden gegen mich zu führen wagt, muß nothwendig irgend einer mächtigen Partei angehören und ich werde jedenfalls wichtige Aufſchlüſſe hören. Ich habe dem⸗ nach ſehr weiſe gehandelt, daß ich ſelbſt hierhergegangen bin. Roſe wäre einer ſo delicaten Aufgabe doch wohl nicht gewach⸗ ſen geweſen.⸗

Dann ſetzte er laut hinzu:

»Wohlan, Schuft, erkläre Dich! Ich höre.«

Fitzgerald ließ ſich das nicht zweimal ſagen..

»Mylord,« ſagte er,„ich kenne euren Scharfſinn zu gut, als daß es mir einfallen könnte, Euch hintergehen zu wollen. Ich werde daher mich ganz frei und unverhohlen gegen Euch ausſprechen. Nehmt mir die Freiheit meiner Worte nicht übel, denn ſie iſt eine Huldigung, welche ich eurer Ueber⸗ legenheit darbringe.«