Teil eines Werkes 
1Der Tiger von Tanger : historischer Roman : 1. Th. (1858)
Entstehung
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Während Jeffreys den Verurtheilten mit dieſen Schmä⸗ worten überhäufte, betrachtete ihn dieſer mit der größten Aufmerkſamkeit.

Der Lord⸗Oberrichter von King's Bench hatte damals ſein ſiebenunddreißigſtes Lebensjahr zurückgelegt. Seine gutge⸗ wachſene, obſchon ein wenig zu gedrungene Geſtalt maß nicht über fünf Fuß vier Zoll. Er hatte eine hohe Stirn, eine ge⸗ rade, feingeformte Naſe, ein auffallend ſanftes und ruhiges Auge, einen Mund, welcher Feſtigkeit des Willens verrieth. Die ovale Form ſeines edlen und ſchönen Geſichtes verkündete — welch eine lebende Lüge! welch ein ſeltſamer Contraſt! — Herzensgüte und Leutſeligkeit.

So war Jeffreys wenigſtens in ruhigem Zuſtande; ſo zeigte er ſich, wenn er ſich von den Malern ſeiner Zeit, unter andern auch von Kneller, conterfeien ließ.

Setzte aber der Zorn ſein Blut in Fammen, dann ging mit ihm eine vollſtändige, unerhörte und ſo ſeltſame Verän⸗ derung vor, daß, wenn nicht alle gleichzeitigen Schriftſteller des ſiebzehnten Jahrhunderts ſich einſtimmig über dieſe ab⸗ norme Erſcheinung ausſprächen, wir dieſelbe weder zu erwäh⸗

8 nen wagen, noch ihr ſelbſt Glauben beimeſſen würden.

War Jeffreys nemlich wüthend— und wüthende Auf⸗ regung war bei ihm zu einem gewiſſen chroniſchen Zuſtande geworden— dgnn hatte er mit einem an Körper und Geiſt geſunden Menſchen keine Aehnlichkeit mehr. Er war ein excen⸗ triſches, unerklärliches Phantom. Der Schall ſeiner Donner⸗ ſtimme, das Spiel ſeiner dichten Augenbraunen, die unge⸗ heure, fratzenhafte Beweglichkeit ſeines Geſichtes, das Unge⸗ ſtüm ſeiner Bewegungen, das fortwährende Zucken ſeiner Muskeln und endlich die unausſprechliche Wolluſt, welche ſich auf ſeinem Geſichte malte, wenn er ſich darin gefiel, durch