Zukunft ſich umnebelt, ſo beginnt man in die Tiefen der Vergangenheit zu ſchauen.
Erſt wenn man im Begriff ſteht in die Sand⸗ meere einzufahren, da ſieht man mit Staunen auf dem bereits zurückgelegten Weg allmälig wunder⸗ ſame Oaſen, voll Schatten und herrlichem Grün, auftauchen, an denen man vorübergegangen iſt, ohne Halt zu machen, ja ſogar ohne ſie nur zu ſehen.
Man ging damals ſo ſchnell voran; man hatte ſolche Eile beim ewig Unerreichbaren anzulangen, beim Glück!
Jetzt ſieht man ein, daß man blind und undank⸗ bar geweſen; jetzt ſagt man's ſich, daß man, wenn man je wieder einmal auf einen ſolchen grünen Hain ſtieße, ſein Zelt da aufſchlagen und den Reſt ſeiner Lebenszeit da verbringen würde.
Aber da der Leib nicht rückwärts ſchreitet, ſo muß das Gedächtniß allein dieſe fromme Pilgerfahrt nach den erſten Tagen antreten und zur Quelle des Lebens zurückgehen, jenen weißbeſegelten Schiffchen gleich, welche die Flüſſe aufwärts fahren.
Dann ſetzt der Leib ſeinen Weg fort, aber ohne das Gedächtniß.
Dies iſt wie eine Nacht ohne Stern, wie eine Lampe ohne Flamme.
Der Leib und das Gedächtniß ſchlagen dann ent⸗ gegengeſetzte Wege ein.
Der Leib geht aufs Gerathewohl dem Unbekann⸗ ten zu.
Das Gedächtniß, ein ſchimmerndes Irrlicht, hüpft über die auf dem Weg zurückgebliebenen Fußſtapfen hin; es allein weiß, daß es nicht fehlgeht.


