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Nach einer Stunde kehrte die Nonne zurück und ſprach mit derſelben kalten, gefühlloſen Stimme:
„Die Mutter Sainte⸗Marthe iſt eben geſtorben.“
„Kann ich ſie wieder ſehen?“ fragte Mary.
„Unſere Ordensregel verbietet es,“ antwortete die Nonne.
Mary verbarg ſeufzend den Kopf in ihren Händen.
In einer ihrer Hände war der Gegenſtand ein⸗ geſchloſſen, welchen Bertha ihr in dem Augenblick übergeben hatte, da ſie zum letzten Mal den Leib ihres göttlichen Schöpfers empfing.
Die Mutter Sainte⸗Marthe war todt, Mary konnte alſo ſehen, welcher Art der Gegenſtand war.
Wie ſie an der Form errathen hatte, war es ein Medaillon, Mary öffnete daſſelbe; es enthielt Haare und ein Stückchen Papier.
Die Haare waren von derſelben Farbe, wie diejenigen Michels.
Auf dem Papier ſtanden die Worte:
„Abgeſchnitten während ſeines Schlafes in der Nacht vom fünften Juni 1832.“
„O! mein Gott!“ flüſterte Mary, die Augen zu dem Crucifix erhebend,„O! mein Gott! nimm ſie in Deiner Barmherzigkeit auf!“
Dann legte ſie das Medaillon an ihr Herz und ſtieg die kalte, feuchte Kloſtertreppe hinab.
Der Wagen und die, welche er hergebracht hatte, warteten noch am Thore.
„Nun?“ fragte Michel, den Schlag öffnend und Mary einen Schritt entgegentretend.
„Ach! Alles iſt aus,“ ſagte ſie, ſih in ſeine


