106
Am andern Tag, am 14., bezahlte ich meine Grau⸗ ſamkeit vom vorhergehenden dadurch, daß ich kaum eine Meile machte, und heute, am 15., bin ich in Saint⸗ Lary, jenſeits eines kleinen Baches ohne Namen, der ſich in die Salat ergießt, angekommen.
Uebrigens bin ich auf dem Wege, das unterliegt keinem Zweifel. Die Taube zögert nicht einen Augen⸗ blick, weicht nicht eine Sekunde ab; ſie fliegt gerade aus, ohne irgend ein Zaudern. Nur vergeht die Zeit, und Du warteſt; die Zeit vergeht, und Du haſt Dein Gelübde ge⸗ than.—
mein Theurer! Glaube an mich, glaube an Deine Iſabelle.
Beide theuer zu ſtehen gekommen.
Achtunddreißigſter Brief.
Am 18. Juli.
Seit drei Tagen irre ich beinahe auf den Zufall umher; ich drehe mich um Wälder, ich gehe längs den Bächen hin. Ach! die Luft hat nicht alle Hinderniſſe, die mir die Erde entgegenſetzt. Die Taube kam da weiter,
wo ich oft anzuhalten mich genöthigt ſah. Ich geſtehe
Dir, mein Geliebter! der Muth und die Kräfte verlaſſen mich zugleich, und ich lege mich ſterbend, in Verzweiflung, am Fuße eines Baumes nieder.
Es ſind ſchon elf Tage, daß ich abgereiſt bin, und
Oh! dieſes Gelübde, eile nicht, es zu erfüllen,
Du haſt einen Augenblick gezweifelt, und das iſt uns
22 η


