Achtzehnter Brief.
um ſechs Uhr Abends.
Ich habe drei Stunden auf den Knieen im Gebete, meine Stirne auf die eiskalten Platten gedrückt, zuge⸗ bracht, und nun bin ich ruhiger.
Ich kehre zu Euch zuruͤck.
Laßt mich Euch Alles ſagen, Alles erzählen, ſeit dem Augenblick, wo ich Euch in Valence verlaſſen, bis zu dem, wo ich, ich Unglückliche, das Gelübde abgelegt habe.
Es geſchah, nicht wahr, Ihr erinnert Euch deſſen 2 es geſchah am 14. Auguſt 1632, daß wir uns trennten; Ihr nahmt von mir Abſchied, ohne mir zu ſagen, wohin Ihr ginget; ich war voll ſinſterer Ahnungen und konnte den Flügel Eures Mantels nicht loslaſſen. Mir ſchien, als wäre es nicht eine Abweſenheit von einigen Tagen, wie Ihr mir verſprachet, ſondern eine ewige Abweſenheit, in welche wir eintreten ſollten. 3
Es ſchlug elf Uhr Abends auf der Kirche der Stadt; Ihr beſtieget einen Schimmel und hattet Euch in einen Mantel von dunkler Farbe gehüllt; Ihr rittet Anfangs ſachte und kamet dreimal zurück, um mir Lebewohl zu ſagen; beim dritten Mal nothigtet Ihr mich, in das Haus
hinein zu gehen, denn Ihr behauptetet, wenn ich vor der
Thüre bliebe, könntet Ihr nicht abreiſen. Warum bin ich nicht geblieben? warum ſeid Ihr abgereiſt? Ich ging hinein, doch nur, um auf meinen Balcon zu laufen; Ihr ſchautet zurück; Ihr ſahet mich, wie ich erſchien und mein ganz von Thränen befeuchtetes Sacktuch flattern ließ; Ihr hobet Euren Hut mit den wallenden


