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hinaufſteigt, bis, nach dem Naturgeſetze, die ganze Welt ebenfalls ihr gehört; dann verſtummt jedes Geräuſch, jeder irdiſche Schimmer erliſcht, die Sterne werden in der Stille am Himmel geboren, und unter dem nächtli⸗ chen Schweigen erwacht eine einzige Melodie im Raume: das iſt der Geſang der Nachtigall, der Geliebten der Sterne, welche in der Dunkelheit ihr Lied improviſirt. Ihr habt mich gefragt, was ich von meinem Fenſter aus ſehe: ich habe es Euch geſagt; ſtellt dieſen dreifa⸗
chen Anblick in Euren Gedanken feſt, beſchäftigt Curen
Geiſt, um Euer Herz zu zerſtreuen; Euer Heil in dieſer Welt und in der andern liegt in dem Worte: Vergeßt!
Neunter Brief.
Am 15. Mai.
Ihr heißt mich vergeſſen. Höret, was in mir vor⸗
geht. Sobald die Finſterniß ſich ausbreitet, begreift
Ihr dann etwas Erſchreckliches, Unerhörtes, Unnatürli⸗
ches? Während ich ſchlafe, iſt der Todte nicht mehr der
Todte, der Hingeſchledene kehrt zum Leben zurück, er iſt da bei mir mit ſeinen langen ſchwarzen Haaren, ſeinem bleichen männlichen Geſichte, dem ſcharfen Gepräge des Adels ſeines Geſchlechtes. Er iſt da, ich ſpreche mit ihm, ich ſtrecke die Hand aus, ich rufe ihm zu:„Du lebſt alſo noch? Du liebſt mich alſo immer noch?“ Und er antwortet mir ja, er lebe noch, ja, er liebe mich noch immer, und dieſelbe Erſcheinung wiederholt ſich beſtändig,


