—- 82 2⸗s
— AA AA⏑&⏑Eà
A8
n
17
geboren. Liebend befolgte ich das von Dir den Thieren, den Menſchen, den Pflanzen auferlegte Geſetz. Alles liebt in dieſer Welt; Alles ſucht ſich zu verbinden und ſich in einem und demſelben Leben zu verſchmelzen; die Bäche mit den Flüſſen, die Flüſſe mit den Strömen, die Ströme mit dem Ocean. Dieſe Sterne, welche in der Nacht, von einem Hori⸗ zont ausgehend, am Himmel hinziehen, das Firmament mit einer goldenen Linie durchfurchen und am entgegengeſetzten Horizont erlöſchen, erlöſchen im Schooße eines andern Sternes; ſelbſt unſere Seelen, dieſe Ausflüſſe Deines goͤtt⸗ lichen Hauches, ſuchen nur eine andere Seele auf der Erde,
um ſich eine Liebesgefährtin zu machen, und wenn ſie un⸗
ſern Korper verlaſſen, gehen ſie hin, um ſich mit einem und demſelben Flug mit Dir zu verſchmelzen, der Du die
11 allgemeine Seele und die endloſe Liebe biſt.
Nun denn! mein Gott, einen Augenblick ergoͤtzte ich
mich an der Hoffnung, am äußerſten Ende meines Hori⸗
zonts eine unbekannte Seele, aber eine Schweſter, eine Schweſter für das Leiden wiedergefunden zu haben; denn bei den erſten Klagen hatte ich geſehen, daß es der Mund des Herzens war, der ſie geklagt. Warum, arme, von Schmerzen heimgeſuchte Seele, willſt Du nicht einen Theil meines Leidens übernehmen, wie ich einen Theil von Dei⸗ nem Schmerze übernehmen würde? Es iſt das Geſetz, daß die getheilten Laſten ninder ſchwer ſind, und daß das Gewicht, welches zwei vereinzelte Kräfte niederdrückt, zu⸗ weilen zwei vereinigten leicht ſcheint.
Es wird zum Gottesdienſt geläutet; Du rufſt mich, mein Gott und ich gehe zu Dir; ich gehe zu Dir im Vertrauen meiner Reinheit, das Herz geöffnet, damit Du darin leſen kannſt, und wenn ich Dich durch eine Hand⸗ lung oder durch eine Unterlaſſung beleidigt habe, o mein Gott! ſo gib es mir zu erkennen durch ein Zeichen, durch eine Abſicht, durch irgend eine Offenbarung, und ich werde vor Deinem Altar, die Stirne im Staube, die Hände aus⸗
Die Taube. 2


