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Die Taube : zwei Bändchen / von Alexandre Dumas. Aus d. Franz. von August Zoller
Entstehung
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Ach! bei meinem Falle durch die verſchiedenen Stu⸗ fen der menſchlichen Groͤße habe ich auf beiden Seiten des Wegs viele traurige und freudige Gemüthsbewegun⸗ gen gefunden. Keine aber iſt trauriger geweſen, als die⸗ jenige, von der ich mich ergriffen fühlte, als ich, Euch Eure Taube zurückſendend, deren Namen ich nicht ein⸗ mal wußte ein prädeſtinirter Name, Ihr habt es ſelbſt geſagt mich auf immer von ihr zu trennen glaubte. Keine iſt freudiger geweſen, als die, welche ich empfand, da ich ſie, während ich auf immer von ihr getrennt zu ſein glaubte, in meinem Zimmer erblickte, und ſie mit der Kühle ihres Flügels, nachdem ſie ſich auf meine Schulter geſetzt hatte, meine Wangen liebkoſen fühlte. O mein Gott! ſür den Menſchen, dieſen ewigen Sklaven von Allem, was ihn umgibt, machſt Du alſo beziehungs⸗ weiſe Schmerzen und Freuden! und derjenige, welcher nicht geweint hat, als er beinahe ein Koͤnigreich verlor, derjenige, welcher nicht bei dem Winde der Axt, die um ihn her die Köpfe abſchlug, geſchaudert hat, wird eines Tags weinen, wenn er einen Vogel in den Raum ent⸗ fliehen ſieht; er wird ſchaudern, wenn er die Bewegung ſieht, welche in der Luft die in Thätigkeit geſetzte Feder einer Taube hervorbringt. Das iſt eines von Deinen Ge⸗ heimniſſen, mein Gott! und Du weißt, ob Deine gött⸗ lichen Geheimniſſe einen demüthigeren und inbrünſtigeren Anbeter haben, als derjenige iſt, welcher ſich in dieſem Augenblick zum Fuße des Kreuzes Deines goͤttlichen Soh⸗ nes niederwirft, um Dich zu verherrlichen und zu preiſeu!

Das iſt Alles, was ich mir ſagte, als ich die Taube wiederſah, die ich verloren glaubte, ehe ich das Billet geleſen hatte, deſſen Trägerin ſie war. Dann, als ich es geleſen, verſank ich in eine tiefe Träumerei.

Wozu, fragte ich mich, wozu ſoll es mir, dem ar⸗ men Schiffbrüchigen, während ich ſchon mit dem Sturm und dem Tode einen Vertrag abgeſchloſſen, wozu ſoll es mir nützen, daß ich mich, in der Unermeßlichkeit des Oce⸗