4⁰¹ Grabſchrift von Byron abgeſchrieben hatte, die ſeines
Freundes Boatswain abſchrieb.
Ich erkannte von fern das Denkmal. Eine junge Frau ſaß an den Stein angelehnt; zwei Kinder ſpielten zehn Schritte von ihr im Graſe; ſie arbeitete an einer Stickerei und ſchlug zuweilen die Augen auf, um darüber zu wachen, daß ſich die Kinder nicht zu nahe an den See wagten.
Ihr Gatte ging langſam, mit einem Buche in der Hand, in einer Allee ſpaziexen.
Die Frau mochte fünf und zwanzig Jahre alt ſein; der Mann dreißig, die Kinder fünf bis ſechs. Das älteſte
war ein Knabe, das jüngere ein Mädchen.
Die junge Mutter war weiß gekleidet und hatte einen
breiten Strohhut auf dem Kopfe, wie man dies im Can⸗
ton Vaud trägt; zwei ungeheure Büſchel blonder Haare fielen in Locken auf beiden Seiten ihres Geſichtes herab; ſie war eher anmuthig als ſchön, und ihre Anmuth hatte etwas von der Grazie der Pflanzen und der Blumen.
Ich näherte mich ihr, und da ſie mir die Inſchrift
verbarg, ſo bat ich ſie ſo höflich als ich konnte, mich
das Epitaphium von Boatswain leſen zu laſſen.
Doch ich bemerkte, daß ſie das Franzöſiſche nicht verſtand.—
Ich, was mich betrifft, hatte, obſchon ich das Engliſche ziemlich geläufig las, nie einen Satz für bri⸗ tiſche Ohren verſtändlich ausſprechen können.
In dieſer Hinſicht kenne ich mein ganzes Unver⸗ mögen; nichtsdeſtoweniger wagte ich drei bis vier Worte, welche geſchrieben ſicherlich meine Gedanken übertragen hätten, ausgeſprochen aber der jungen Frau keinen Sinn boten. Lächelnd bedeutete ſie mir durch ein Zeichen, ich möge Geduld faſſen; dann rief ſie den kleinen Jungen, der auf den zweimal wiederholten Na⸗ men Georges herbeilief...
Das Mädchen, das ſich auf ſeine Hände und ſeine
Der Pfarrer von Afbbourn. II. 26


