398 Welche Krankheit hatte ihn befallen? Nie konnten
dies die griechiſchen Aerzte ſagen, die ſeit Hippokra⸗—
tes offenbar viel ſchlechter geworden ſind.
Eine Wahrſcheinlichkeit iſt es, daß er an dem ſtarb, was unſere Aerzte das Sumpffieber nennen.
Am zweiten Tage nach der Ankunft des Leichnams in London wurde der Sarg geöffnet. Die Aerzte er⸗ kannten, Byron ſei geſtorben, weil er es nicht gedul⸗ det, daß man ihm zur Ader gelaſſen.
Das war gerade das Gegentheil von dem, was der Doctor Thomas von Zante erklärt hatte.
Der Körper wurde ausgeſetzt; doch man ſah vor⸗ her, der Zudrang werde ſo groß ſein, daß man be⸗ ſchloß, den Eintritt nur mit Billets zu geſtatten.
Dieſe Vorſichtsmaßregel genügte nicht; am Tage der Ausſtellung mußte man die bewaffnete Macht zu Hülfe nehmen. Mehr als dreitauſend privilegirte oder nicht privilegirte, Perſonen warteten von Morgens um ſieben Uhr auf das Oeffnen der Thüre, das erſt um zehn Uhr ſtattfinden ſollte.
Der Weingeiſt hatte, abgeſehen von der Bleifarbe, die er ihm gegeben, das Fleiſch gut erhalten. Die Hände beſonders, dieſe Hände, auf die der ariſtokrati⸗ ſche Dichter ſo ſtolz geweſen war, hatten nichts von ihren zierlichen Formen verloren.
Nur waren ſeine Haare beinahe grau geworden;— mit ſieben und dreißig Jahren!— Jedes von dieſen Haaren hätte einen Schmerz erzählen können.
Einen Augenblick hatte ſich bei der Ankunft von Byron in London ein Ruf der Genugthuung aus Aller Mund erhoben:„Byron nach Weſtminſter!«„
Byron hatte aber eine ſo beharrliche moraliſche, ſoriale und literariſche Oppoſition gegen alle engliſche Gewohnheiten gemacht, daß man eine Weigerung der Regierung befürchtete, weshalb die Familie des Dichters erklärte, er werde in der Gruft ſeiner Ahnen, in Huck⸗ nell bei Newſtead, begraben werden.
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