In demſelben Augenblicke machte ihn ein eis⸗ kalter Eindruck, den er auf der Stirne fühlte, durch den ganzen Leib ſchauern; dieſer Eindruck brach die unſichtbaren Bande, die ihn feſſelten.
„Leona! Leona!“ rief er.
Es war in der That Leona, welche bei ihm ſtand, doch diesmal ohne Hauch auf den Lippen, ohne Flamme in den Augen; ein paar Tropfen von einem blaſſen Blute fielen aus einer Wunde, die ſie an der Bruſt erhalten hatte.
„Leona! Leona!“ wiederholte der Herzog.
Und er ſtreckte die Arme aus, um das Geſpenſt zu ergreifen; dieſes winkte aber, und die Arme des Prinzen fielen wieder nieder.
„Ich ſagte es Dir wohl, mein Emanuel,“ flüſterte der Schatten mit einer Stimme ſo ſanft zugleich wie ein Hauch und wie ein Wohlgeruch,„ich ſagte es Dir, ich werde mehr bei Dir todt als lebendig ſein!“
„Warum haſt Du mich verlaſſen?“ fragte Ema⸗ nuel, der ſein Herz in Schluchzen zerſchmelzen fühlte.
„Weil meine Sendung auf Erden vollbracht war, mein geliebter Herzog,“ antwortete der Schatten; „doch ehe ich zum Himmel aufſteige, erlaubt mir Gott, Dir zu ſagen, daß der Wunſch Deiner Unterthanen erfüllt iſt...“
„Welcher?“
„Die Prinzeſſin Margarethe iſt in geſegneten Umſtänden und wird einen Sohn gebären.“
„Leona! Leona!“ rief der Prinz,„wer hat Dir dieſes Geheimniß der Mutterſchaft enthüllt?“
„Die Todten wiſſen Alles!“ murmelte Leona.


