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„Mein Herr, ich glaube, wenn Sie das thäten, würden Sie mir einen Dienſt leiſten. Gleichwohl— ſehen Sie, wie weit meine Offenherzigkeit geht— gleich⸗ wohl mag ich Sie wahrhaftig nicht bitten, mir hiebei zu helfen.“
„Warum nicht?“ 3
„Weil, muß ich es Ihnen geſtehen? well ich glaube, daß ich Ihre guten Dienſte verfluchen würde.“
Malilly hielt inne.
„Marmor! Ich ſtoße mich vergebens daran, ich ſuche vergebens eine Seele! Geduld!] Geduld! ich bin zum Unglück geboren. Es gibt in Frankreich vielleicht nur zwei Frauen, wie die Fräulein von Nesle und von Clèves, und Louiſe und Olympia müſſen mir zuge⸗ fallen ſein.“
und zu ruhigeren, wenn nicht zu minder ſchmerz⸗ lichen, Gedanken zurückgeführt, verbeugte ſich der Graf vor dieſem unerſchütterlichen Willen der Gräfin, und begnügte ſich, zu ſagen:
„Zum Glück, Madame, bin ich noch Ihr Herr, und in der beziehungsweiſen Stellung, die wir uns ge⸗ macht haben, verbindet eine Privatunterzeichnung keinen von den contrahirenden Theilen zu Etwas.“
„Sie täuſchen ſich, Herr Graf, denn dieſer Ver⸗ trag beſtätigt meine Freiheit, und ich werde Gebrauch davon machen. Vor den Gerichten iſt er vielleicht un⸗ geſetzlich; Sie werden aber durch ihn alle Ihre Pro⸗ zeſſe vor der öffentlichen Meinung, dem einzigen Tri⸗ bunal, verlieren, von dem ich Etwas zu befürchten habe. Und nun, wenn Sie mir nichts Anderes mehr ſagen wollen...“
Und mit der Geberde einer Königin wies ſie ihm die Thüre. Mailly grüßte niedergeſchmettert und ging weg.


