LXV. Mailly geräth in Anruhe.
Es iſt leichter, die Leiden von Mailly nach dem Abgange von Richelieu ſich vorzuſtellen, als ſie zu ſchildern.
Liebhaber und Gatte, ſah er ſeine Frau, ſeine Ge⸗ liebte, Beide bedroht. Die Frau iſt immer nur Etwas für den Ungetreuen in dem Augenblick, wo er bemerkt, daß Andere ſie ausgezeichnet haben; doch in dieſem Augenblick iſt die Frau das Eigenthum, es iſt der Name, es iſt die Ehre, es iſt Alles.
In dieſem Augenblick, welch ein koſtbares Beſitz⸗ thum iſt die Frau, und wie erſcheint Alles das, was man verachtet hat, glänzend, wie kommt der Grund, zu lieben, mit dem Grunde, zu haſſen, zurück!
In einem Augenblick war Herr von Mailly in die Extreme geworfen. Er ſtellte ſich auf der Stelle ſeine Frau vor, die er vereinzelt, verzweifelt, abgeſchieden verlaſſen hatte. Er ſiellte ſich ſeine Frau von Schmeich⸗ lern, von Hofmachern umſchwärmt, von Weihrauch un glit vor. Ein glühender Dolchſtoß durchbohrte ſein
erz.
„Meine Frau abtreten!“ ſagte er zu ſich ſelbſt: „mein Gut demjenigen abtreten, der mir nur das Leben nehmen kann! Nie!“
Dann hielt er inne.
„Aber,“ dachte er,„dieſe Intriguen⸗ und Verderb⸗ nißſchmiede haben es mir wohl geſagt: der König iſt gut, er will nicht Alles einem armen Gdelmann neh⸗ men. Von zwei Begierden wird er eine aufgeben, um Herrn von Mailly etwas zu laſſen. Der König iſt ein


