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Der Abbé ſtemmte ſeine Fauſt in ſeine Seite wie ein Reiter.
„So iſt es, wenn man an den Thüren horcht,“ ſagte er.
„Madame weiß wohl, daß ich nicht an der Thüre horchte, da ich ins Theater gegangen war, um ihr Bericht über die Art zu erſtatten, wie die Catalane eine neue
Rolle ſpielte. Früher, als ich ſelbſt glaubte, zurückge⸗.
kehrt, hörte ich ſchallende Stimmen, und unwillkürlich war ich Zeuge des Antrags, den Sie Madame zu ma⸗ chen gewagt haben.“
„Ich ſinde mich nicht beleidigt einer ſolchen Klei⸗ nigkeit wegen, mein Frennd,“ ſagte Olympia, welche den Zorn dem Abbé zur Stirne ſteigen ſah und wohl wußte, das beſte Mittel für eine Frau, denjenigen,
welchen ſie liebt, zu vertheidigen, ſei, offen auf ſeine.
Seite zu treten, ein Manoeuvre, das den Feind im⸗ mer aus der Faſſung bringt.
„Sie ſinden ſich nicht beleidigt, Olympia,“ erwie⸗ derte Banniére,„weil Sie die Vollkommenheit in Per⸗ ſon ſind; aber ich finde mich beleidigt, ich nehme die Beleidigung für mich und erkläre dem Herrn Abbé, daß ihn zweimal der Charakter, mit dem er bekleidet iſt, vor meinen Gewaltthätigkeiten bewahrt hat. Für ein drittes Mal würde ich ihm jedoch nicht ſtehen, und um ihm ein ſo großes Unglück und mir ein ſo großes Be⸗ dauern zu erſparen, bitte ich den Herrn Abbé, nicht mehr in meinem Domicil zu erſcheinen.“
Der Abbé fühlte nun ſeinen vermeintlichen Vor⸗ theil. Er war zu grauſam gedemüthigt, um nicht völlig den Kopf zu verlieren; er bildete ſich ein, dieſe Frau, deren Zaͤrtlichkeit erlangt zu haben er feſt glaubte, würde es nicht wagen, ſich gegen ihn zu wenden, aus Furcht, er könnte ſie durch ihre Entlarvung gefährden.
Dieſer Gedanke war nicht edel; er ſtürzte den Abbé in's Verderben. 4


