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Aufklärung mit dem alten Glauben zu verſöhnen, mit Hülfe der Maurerlogen die Kirche zu reformiren, die Ergebniſſe der gereinigten Sektenlehren zum Gewinn des Ganzen nicht verloren zu geben und damit dem Gedanken einer Univerſalkirche der chriſtlichen Menſchheit Raum und Wirklichkeit zu verſchaffen. Euſebio ſcheiterte an ſeinem Werk, ich ſcheiterte an meiner heimathloſen Leere. Hätt' ich die Lippen meines Lehrers noch küſſen können, eh' ſein Athem ſchwand: ich hätte es vielleicht erfahren, welch' väterlicher, mütterlicher Wille mich zum Prieſter gelobt, ich hätte gewußt, warum ich das Kreuz Chriſti auf mich genommen. Ich warf es ab und kann doch auch im neuem Glauben, als Mitglied einer neuen Kirche, nur da wieder anfangen, wo ich als alter Chriſt aufgehört, das Werk zu fördern, das die Menſchheit am Altar Gottes und vor ſeinem Antlitz ver⸗ ſöhnt, brüderlich eint. Euſebio ſtarb und mit ihm mein Geheimniß. Aber ſein Erbe, ſein Verſöhnungsplan zu einer Religion für die Völker aller Zonen, dies ſein Erbe iſt mir überblieben!“
„Saverio, mein Sohn!“ rief ein Mann plötzlich, durch die Um⸗ ſtehenden ſich Raum brechend.„Saverio, ſo biſt du der von mir Geſuchte, mir von Euſebio Verkündete! Sohn meiner Mormona, die längſt mit Fittichen der Cherubim über mir ſchwebt! Uns entzogener, mir geraubter, im Herrn und in der Sache der Menſchheit Wieder⸗ gefundener! Ich erkenne dich an dem, wozu Euſebio dich heran⸗ gebildet. Ich erkenne dich an den Zügen deiner Mutter. O wenn Geiſter niederblicken, wenn es wahr iſt, daß ſie uns nicht entzogen ſind, auch wenn ſie, wie wir ſagen, ſchlafen gingen, wenn es wahr iſt, und es iſt wahr, daß ſie unter uns umgehen, ihr gelöſtes Leben in uns weiterführen: o ſo ſieh' herab, Mormona, ſelig Kind der Berge, Roſe, die du am Kreuz verbluteteſt! Sieh' herab, oder ſei unter uns, ſüßer, verklärter Geiſt! Dein Werk iſt vollendet, ich habe den Sohn wieder, den uns entzogenen und doch in deinem Sinne ge⸗ weihten Sohn, das Kind unſerer Liebe, unſerer Schmerzen und unſerer Luſt!“
Aller Augen waren auf Vater und Sohn gerichtet, die zitternd und an einander hängend, halb ungläubig ſich anblickten und dann wieder vom Rauſch ſeliger Beglaubigung erfaßt, ſich von neuem in die Arme ſanken. Kaver— mein Bruder! Welch ein Wonnegefühl der Ge⸗
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