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„Hat's verbrannt?“ ſagte der Großvater.„Ei, ſeht mir den Burſchen! Hat mit gefälſcht und intriguirt? Was, Teufelsjunge?“
Ich betheuerte hoch und feſt, ich hätte damit für unſer Haus das Beſte bezweckt und zu erreichen geſucht.
„Nun und der Dubois?“ ſagte der Großvater,„iſt wohl auch eine liebe Unſchuld, hm?“
Kaver ſtand neben uns zu Füßen des Mannes.
„Auch Roſenkreuzer?“ fuhr Erlaucht fort,„ſchöne Geſchichten das! Erzieher meines Enkelſohnes und Flüchtling aus der Jeſuiten⸗ ſchule, ei, daß dich ein Anderer! Lug und Trug ſind von daher über mich hereingebrochen von Anfang bis zu Ende. Herr des Himmels, dieſer Kelch, den du mir gereicht, war allzu bitter, und ging nimmer von mir. Ein Fluch—“
„Ein Fluch,— wenn wir's in der Blindheit der Leidenſchaft nicht beſſer verſtehen!“ nahm Kaver das Wort.„Und eine Lüge? Nein, ich hätt' es Jedermann geſtanden, daß ich ein Zögling des Collegs ſei, hätte man mich befragt. Nur die Furcht vor Ew. Erlaucht Aberglauben hielt mich ab, freiwillig meine Herkunft zu beichten. Ein Findling, ein Auswürfling der bürgerlichen Geſellſchaft, hab' ich freilich kein Herkommen, weiß meine Heimath nicht, kenne den Schooß nicht, der mich trug. Arm und elend, innerlich ein gelöſtes Atom, liebeleer hinausgeſtoßen, im Findelhaus untergebracht, nahm ſich ein edler Menſch, ein edler Prieſter Roms, Pater Euſebio, meiner an. Er ehrte den freien Geiſt in mir, als hätt' er mich um meines Schickſals willen, das über mich mit fremdem Willen verhängt war, ſchonen, mir zugutehalten müſſen, was an mir gefrevelt. Ich ver⸗ letzte nie die Satzung der heiligen Kirche, ich widerſetzte mich nie den Geboten meines klöſterlichen Lebens; es empörte mich blos, daß ſie mir ohne mein Zuthun, ohne meine Willensmeinung, ohne die Zuſage meines eigenen Herzens aufgebürdet werden ſollten. Ich wäre freiwillig vielleicht der beſte Prieſter der Kirche geworden, allein ich war ihr im Schuldbewußtſein Anderer gewidmet. Das trieb mich zur Widerſetzlichkeit. Mein Lehrer Euſebio wußte um mein Lebens⸗ geheimniß und durfte es mir nicht geſtehen. An ſein Sterbebett berufen, vielleicht um ſein Geſtändniß endlich zu hören, kam ich zu ſpät. Er hatte mich in den Plan denkender Männer eingeweiht, die
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