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Riegel könne feſt genug ſein vor wälſchen Schlichen und Ränken! O, o! ich alter, grauer Thor!— Doch Ihr habt Recht, mein Beſter, habt Recht, mein guter Vetter; dem Feinde ſoll man eher Brücken zur Flucht bauen, als ſie ihm abreißen. Laſſen wir ſie Alle, wie ſie da ſind, entwiſchen. Einen Mantel der chriſtlichen Liebe darüber! Nicht ſo, ſüßer Jüngling? Beſſer das, ad majorem Dei gloriam, was? Draußen ſteht auf mein Geheiß die Miliz der wohlehrbaren Stadt Nürnberg. Ohne mein Signal öffnet Niemand die geſperrten Thüren! Her damit; ich will das Commando geben.“
Er wollte mit der Rechten in die Buſentaſche greifen; der Arm fiel gelähmt auf den Schenkel zurück. Er biß die Lippen ſchmerzhaft übereinander, im Gefühl, daß es aus ſei mit ſouveränem Willen wie aller Selbſtherrſchaft; eine bittere Zähre zitterte über des Mannes erhabenes Antlitz, wie er an Arm und Bein, an der ganzen rechten Seite ſpürte, daß ihm ſein Körper nicht mehr parirte, nicht mehr gehorſam war. Linker Hand war er ſeiner Kraft noch mächtig, er warf ſich mühſam herum, mit einem ſo ſtarken Ruck, daß die Seſſel unter ihm krachten, griff links in die Buſentaſche, holte mit der Blitzesſchnelle letzter Kraftanſtrengung ein Piſtol hervor, ſpannte im Nu und ſchoß in die Höhe.
Noch war das donnernde Echo in der Wölbung des Saales nicht verhallt, als auf dies Commandozeichen von allen Seiten die Flügelthüren aufſprangen und die rothweißgetiegerte Soldatesca der freien Reichsſtadt Nürnberg mit gefälltem Bajonett und Sponton einrückte und jetzt von innen die Thüren beſetzt hielt. Der Reichs⸗ graf erhob ſich, auf den linken Arm geſtützt, von ſeinem Lager und rief ſchallend ſein Commandowort:„Achtung! Gewehr bei Fuß. Patrouillen abmarſchirt in die Seitengänge links und rechts, hinten und vorn die Schlupfwinkel des geſammten Jacobsneſtes durchſpürt! Geſindel aufgegriffen, hergeſchleppt, die Ausgänge des Saales frei⸗ gegeben, aber das Nachtgeflügel aufgeſtöbert, abgefaßt! Marſch!— Etwas wird's doch zum Fange ſetzen, denk' ich, und damit hollah, und geh' zur Ruhe, alter Freund!“
Mit dieſen Worten, zu ſich ſelbſt geſprochen, warf er ſich wieder auf ſeine gelähmte Seite, ſtarr vor ſich murmelnd und knurrend. Die Verſammlung ſtob auseinander, der große Logentag war zu Ende,


