Teil eines Werkes 
2 (1855) [Xaver Dubois]
Entstehung
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zur Aufnahme noch unfähig, von der Feier des großen Tages aus⸗ geſchloſſen ſein ſollten. Er hatte in ſeinem Spürſinn bei ſorgſamer Viſitation des alten Jacobshauſes und ſeiner halb mönchiſchen, halb ritterthümlichen Baulichkeiten einen geheimen Zugang zum Saale ent deckt, wo die Logenbrüder zur Arbeit ſich verſammelten. Wie ich am verhängnißvollen Tage gegen Abend in unſer Zimmer trete, wo ich Sommerlotte zu finden gedenke und nicht antreffe, hör' ich, verwundert mich umſchauend, ein leiſes, immer lauteres Pochen an der Wand, dann meinen Namen flüſtern, der im Rauchfang des rieſenhaften Kamins ſeltſam hohl ertönte. Auf Beantwortung der Frage, ob ich es ſei, fuhr Sommerlotte mit einem kurzen Ruck den Schornſtein herunter und ſtand wie ein Geiſt, der durch die Eſſen auf⸗ und niederſteigt, höchſt ernſthaft feierlich vor mir. Mein Lachen änderte nichts am Pathos ſeiner Stim⸗ mung.Hab's gefunden, ſagte er halb erhaben, halb verſchmitzt. Dort oben eine eiſerne Lukenthüre in der Mauer des Kamins, leiſe aufgedrückt, Schloß roſtig geweſen, aber von mir reſtituirt und gar gut in Schmiere gehalten! Dann den Boden tief hinunter, links gewandt, rechte Schulter vor, Kopf geduckt, hingerutſcht, grad⸗

aus und wir ſehen durch's Loch die ganze Proſtemahlzeit der hohen Herren von der Freimaurerei zu unſern Füßen vor uns! Vom großen Roſicrucius freilich noch keine Spur gefunden!

Ich fragte hin und wieder; Sommerlotte hatte den geheimen Zu⸗ gang wiederholt geprüft und ſchon mehrmals die Maſchinerien und die Arbeiten zur Ausſchmückung des Saales belauſcht. Er nöthigte mich jetzt, die Stiege zu prüfen, um heute Nacht mit ihm zur Spionage bereit zu ſein.Wir müſſen wiſſen, was da geſchmiedet wird! ſagte er pfiffig ernſt,es könnte uns dort an Kopf und Kragen gehen, und wir hätten nichts davon gemerkt!

Sommerlotte war, ſeitdem es für ihn etwas zuwittern gab, ganz wieder der alte Maulwurf und Minirer. Er hatte mir eine Fußſtiege auf den Heerd des Kamins geſetzt; ich ſchwang mich hinauf und ſaß querbeinig in der Eſſe, mit beiden Händen bereits die eiſerne Thür erfaſſend, durch die ich den Bodengang zur Gallerie betreten ſollte.Horch! wer iſt das? ſchrie Sommerlotte plötzlich, wie von der Raſerei einer Höllenangſt erfaßt.Was gibt's? fragt' ich hinunter: meine Stimme tönte hohl wie aus dem Grabe.