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muß ſich in die Nacht flüchten, um von den Banden der körperlichen Menſchenwelt frei zu ſein. Verachte mich nicht, wenn ich irre rede! Haſt du nicht ſelbſt von den Völkern des Morgenlandes erzählt, denen die geſtörte Seele heilig iſt, weil aus ihnen Gott und Natur zum Menſchen reden könnten? Sie haben mir Netze und Fallſtricke gelegt, aber ich habe ihre Liſt überliſtet und ſie zu Gefangenen im eigenen Zimmer gemacht. Die Geiſter ſind gut, wenn der körperliche Menſch ſie nicht ſtört und verwirrt. Laß du mich frei wandeln, ich ſuche nach einem Herzen, das mit mir fühlt. Verſpotte mich nicht, dir will ich vertrauen. Sei du nicht grauſam, weil ich unglücklich bin. Du wirſt meine Seele retten, dir will ich mein Geheimniß bekennen!“
„O mein Gott!“ rief ich und glaubte zu vergehen unter der ſüßen Laſt, die ſich mir ſchickſalsvoll in die Arme gab. Wie ich auf⸗ blickte, ſah ich hell und klar in Juſtinens blaß verklärtes, ätheriſch verzücktes Antlitz; der Mond ergoß ſein ganzes Licht über uns her, nicht mehr argwöhniſch, ſondern offen und voll, wie eine Segens⸗ ſpende, wie einen Glorienſchein. Wie ſich ihr Gewand von der Schulter löſ'te, leuchtete mir der Glanz der Lilie entgegen.„Reiner Engel der keuſchen verſchwiegenen Nacht!“ ſagt' ich ſtill und ſcheu. Ich zitterte vor dem Gedanken, die Seele eines unberührten Weſens, das Herz eines reinen Geſchöpfes, ihren ſüßen Leib in meiner Hand zu haben. Sie ſah mich lächelnd an, als hätte ſie meine Gedanken errathen und ſprach:„O armer Thor, du thuſt mir wohl! Ich liebe dich, Joſeph La Torre, wie noch kein Weib geliebt. Sieh! über den Waſſern fährt ein Sturm dahin, Welle bäumt ſich gegen Welle, ſie kräuſeln wild auf, aber ſie ſchäumen rauſchend an einander und ihre weißen Spitzen küſſen ſich. So lieb' ich dich! Und horch! Ueber das Waldesdunkel brauſ't der Nachtwind, er fährt über die Buchen dahin, als wollt' er ſie brechen, aber ſtürmt vorüber und im Nach⸗ wehen beugen und neigen die Wipfel ſich, und Blüthe tauſcht den Duft mit der Blüthe. So lieb' ich dich. Und weil ich dich liebe, wie nur ein Weib einen Mann geliebt, kann ich dir's auch geſtehen, wie nie ein Weib es ſollte!“
„Ihr Engel und Cherubim des Himmels!“ rief ich, vom
Glück der Liebe berauſcht,„leiht mir Euere Flügel, um das Herz


