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„Euer eigenes Revier?“ lachte der Burſche.„Na, da iſt es leicht möglich; wir bewirthen Euch mit einem Stück Wildpret von Euerem Gehege.“
Das Chriſtenthum in der Wüſte! dacht' ich bei mir, gaſtfreie Räuber!—„Wenn ſie dich als Wilddieb erwiſchen,“ ſagt' ich,„ſo wirſt du gehängt, Pirrho!“
„Beſſer als Wilddieb hängen, denn als Ketzer brennen!“ rief er laut,„da weiß man doch warum, und hat den Braten genoſſen!“
Er hielt in dieſem Augenblicke ſein Thier an und ſah mich ernſt
und forſchend an. Ich merkte, daß für mich erſt jetzt die rechte Probe
begann. Ich ſagte ihm, von Ketzergerichten mit Feuer und Schwert wiſſe er doch wohl nur durch Hörenſagen; die Zeiten der Barbarei ſeien vorüber, und in Zukunft würden die Menſchen, wenn ſie nur Alle an Gott glaubten, ſich wie Brüder die Hände reichen.
„Da drüben,“ ſagte er, nach den Thürmen von Santa Maria zeigend,„da hat Mormona die Mutter Gottes geſpielt. Die Komödie war nicht ſchlecht.“
„Die Mutter Gottes hatte ihre Luſt an dem frommen Kinde,“ ſagte ich ſehr ernſt.„Anfangs war Mormona ſchüchtern und ſträubte ſich gegen den frommen Dienſt.“
„Ja, ſie iſt zu gut für Euer Heidenthum.“
„Heidenthum?“ wiederholte ich;„wir Römiſchen halten Euch für heidniſch Volk.“
„Ja, das iſt's eben,“ fuhr er heftig auf und arbeitete mit beiden Händen auf mich ein, um ſeine Rede durch kräftige Zeichenſprache zu unterſtützen; mitunter kam ihm ein abgeriſſenes Stück Bibeltext, das er von irgend einem Prediger in der Wüſte aufgefangen, gar nicht übel zu Hülfe.„Ihr ſollt keine Götter haben neben mir! ſpricht der Herr unſer Gott! Kennt Ihr das Gebot wohl, Signor? Nun, wenn Ihr es kennt, ſo ſündigt Ihr doch alle Tage dagegen, denn Ihr betet zu zehntauſend Heiligen.“
Der kecke Burſche ſchlug mich mit ſeiner loſen Rede faſt danieder. „Aber die Heiligen,“ ſagt' ich nach einer Weile,„find ja keine Götter. Sie ſind Menſchen geweſen, wie die großen Propheten es waren, und wenn wir ihre Hülfe bei Gott für uns anflehen, ſo geſchieht das,
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