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Calviniſten zum Loche hinausweiſt, da wittert man den heiligen Loyola nicht? Ei, ei, er muß es da fein anfangen!“
„Von den 273 Miſſionshäuſern der Geſellſchaft Jeſu zählt man 160 deutſche,“ verſicherte Kaver.
„Hm!“ ſagte der Großvater,„auf dem Nürnberger Tandelmarkt eine kleine beſcheidene Hütte aufzuſchlagen, gans im Stillen und ganz gemüthlich— gar nicht übel!“
Faver verrieth eine ſehr genaue Kunde von der Statiſtik des Ordens. Er ſagte:„Von den 669 Collegien, welche die Geſellſchaft Jeſu beſitzt, kommen 207 auf das römiſche Reich deutſcher Nation, unter den 22,589 Mitgliedern des Ordens zählt man 8749 deutſche Geſellſchafter. Davon ſind freilich nur die Hälfte Prieſter, aber die ſo mitlaufen, die weltlichen Coadjutoren, die Sodalen in der kurzen Robe, ſind eben ſo geſchäftig, eben ſo wirkſam.“
„Ei, ich will's glauben, will's glauben!“ ſagte der Reichsgraf und nickte wiegend mit dem Haupte;„hätte ja ſelber beinahe im eigenen Neſte in partibus infidelium eine kleine Sippe mit Ablegern großziehen können!— Und in den deutſchen Logen wollen ſie jetzt Minen anlegen, den Boden unterhöhlen? So, ſo!“
„Man ſollte ſie nicht aus den Augen verlieren,“ eiferte Kaver, „ihnen nachgraben, nachwühlen, ihre Manöver aufdecken!“
„Ja, wer Luſt und Zeit dazu hat und jung iſt!“ entgegnete der Großvater.—„Thun Sie's, mein Beſter, wenn Sie ſich tactfeſt fühlen.“
„Ich will es, ich werde es!“ ſagte Kaver wie zum Gelöbniß.
In dem Augenblicke trat Sommerlotte zu mir in's Zimmer. Die Herren erhoben ſich, der Großvater blickte aus dem Cabinet heraus.
„Ah, ſieh' da,“ ſagte er; er wähnte mich mit Sommerlotte ein⸗ getreten;„ſieh' da, Joſeph— mein Enkelſohn, und hier Signor Dubois, unſer junger Freund und hoffentlich bald auch der deinige.“—
Es war das erſte Mal, daß er mich dutzte, das erſte Mal, daß er mich als den Sohn ſeiner Tochter anerkannte. Damit endete die große Prüfungsſtunde.
Dubois verbeugte ſich leicht.
Ich bot ihm die Hand; er wußte nicht, wie ſehr ich ſchon ſein Freund, ſein guter Warner im Verborgenen war.


