Teil eines Werkes 
1 (1855) [Großvater Erlaucht]
Entstehung
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ſüßer offenbart, liebevoller und reiner hingegeben. Sie war die ein⸗ zige Tochter eines herzoglichen Hauſes. Sie war ganz ſein, aber die Verwandtſchaft verſagte die Einwilligung zum Bündniß mit einem ketzeriſchen Sohn des deutſchen Nordens. Das liebe Frauenbild ward krank; er widerſtand. Das liebe Frauenbild wollte ſterben; er kämpfte, ſchwankte und wollte doch nicht. Da erfand man ein Auskunftsmittel; man verlangte keinen perſönlichen Glaubenswechſel; aber eine Zuſage, der römiſchen Kirche allen Vorſchub, allen Zutritt, alle Berechtigung im Lande daheim zu geſtatten. Die Zuſage konnte Einer geben mit Vorbehalt ſeines landesfürſtlichen freien Willens. So war das Doeu⸗ ment ausgeſtellt; aber es wurde verfälſcht. Statt der Clauſel, die ihn frei ließ, ſetzte man die Zuſage der Möglichkeit des Uebertritts in das Schriftſtück, das er, in einer linden, lauen, wälſchen Nacht, von Liebe, Wein und was weiß ich, von einem Schlaftrunk bethört, an Eidesſtatt unterzeichnete. Daraufhin ward er getraut mit dem lieben Frauenbilde in der kleinen maritimen Villa an der Riva levante.

O, mein Gott! dachte ich zitternd, die Villa Speroni, das Document des Großvaters, die Geſchichte ſeiner Jugendliebe!

Der Mann, fuhr der alte Herr mühſam fort,der Mann hatte ſich unwiſſentlich gegen ſeine Ueberzeugung zum Verrath ver⸗ bindlich gemacht. Aber der Prieſter, der das Bündniß eingeſegnet, ein Mann der Geſellſchaft Loyola's, ſogar Provinzial ſeines Ordens in Genua, war ein Ehrenmann. Sein Gewiſſen hielt ihn ab, der Congregation das Document zu übergeben; er hatte es beſeitigt, ver⸗ ſchüttet, vergraben. Es hat beinahe vierzig Jahre lang, von Men⸗ ſchenhand unberührt, im Kellerſchutt der verfallenen Villa gemodert.

Der Großvater ſchwieg; die beiden Männer ſaßen ſtill bei ein⸗ ander. Der Aeltere hatte gebeichtet; der Jüngere wußte um ſein Geheimniß, aber ſchwieg; er machte kein Gegengeſtändniß. Endlich trommelte Großvater auf der Tiſchplatte einen gelinden Marſch; er trommelte damit in Zeiten der Aufregung ſeine Gedanken nieder, und

er trommelte damit, wenn ſein Gefühl ſich weich und träumeriſch

verlor, ſeinen Verſtand wieder wach.

So, ſo! ſagte er endlich,alſo in Nürnberg wollen die Maulwürfe aufwerfen, mitten im Schooß des alten eiferſüchtig wach⸗ ſamen Lutherthums! Wo man die Juden nach Fürth abſperrt, die

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