vom Hörenſagen; er ſelbſt war erſt ſpäter im nächſten Dorfe in Dienſt getreten. Seit langen Jahren, ſo weit ich denken konnte, war meine Mutter nicht wieder erſchienen.
Wehmuth und Zorn wechſelten in der Stimmung, die in mir zurückblieb.
„Knecht Jacob, ich erwürge dich, ſagſt du nicht Alles heraus was du weißt!“ ſchrie ich, und fiel ihm mit beiden Händen wüthend an die Gurgel.
„Herr meines Lebens!“ ſagte Jacob, indem er ſich loswand, „Ew. Gnaden haben wirklich Anlage zum großen Herrn!“— In dem Augenblicke erklang Pferdegewieher und Geſtampf im Hofe. Wir lauſch⸗ ten; ein Reiter in ſchweren Stiefeln ſtieg ab.
„Mein Himmel,“ ſchrie Jacob erſchrocken,„Seine Erlaucht, der Herr Reichsgraf!“
„Wer?“ rief ich lachend, indem ich den Kopf durch's Fenſterloch ſteckte,„das iſt ja der Herr Oberförſter!“
„Nun ja,“ ſagte Jacob ganz ehrbar,„wenn der junge Herr Alles wiſſen, werden Sie doch nun auch den Herrn Großvater kennen?“
Ich ſtarrte ihn ſprachlos an. Er nahm die Halfter herunter und ſtürzte fort. Mein Traum war aus; die Wolken ſanken, ich ſah Licht und fühlte plötzlich Boden unter den Füßen. Aber der Ernſt der Wirklichkeit, der Schreck der Entdeckung verjagten mir allen luſtigen Uebermuth; die Füße wankten auf dem Boden, den ſie faßten, ich
ſtand zitternd da, unfähig, von der Stelle zu weichen. Als ich den
Schritt des Pferdes, die Stimme des alten Herrn hörte, ſtürzte ich zum Stall hinaus über den Hof fort und nach dem Steg, der über den Sumpf führte. Ich lief in den Wald hinein, bis ich athemlos zuſammenſank. Dann beſann ich mich auf mich ſelbſt, ſchüttelte die Locken und rieb die Stirn; ich wäre gar zu gern ganz nüchtern geweſen, um mit hellen Augen zu ſehen, mit offenen Ohren zu hören. Der Gedanke an den geſtrengen Herrn im grünen Rock, mit den hoch⸗ gewölbten Augenbrauen, trieb mich inſtinktmäßig zu dem Gefühl von Pflicht und Gehorſam.
Die Dämmerung brach ſchon herein, als ich durch's Thor in's Gehöft trat. Der geſtrenge Herr war nicht allein gekommen; mehrere Cavaliere waren in ſeinem Geleit, Diener ſtanden im Hofe
D. B. V. Kühne, Die Freimaurer. 2


