Sie hielt ſich, das Kinn auf die Trottvirſteine ſtützend, mit jeder Hand an einer Eiſenſtange des Geländers feſt und ſchaute die öde heiße Straße hinunter. Unſer Freund ging zu ihr und redete ſie an.
„Was iſt das Ding da oben, Miſſis?“ ſagte er.
„Das Wappenſchild, mein kleiner Mann, antwortete ſie.
„Wappenſchild?“
„Ja; Mhlord iſt todt. Starb am Freitage vor acht Tagen, und ſie haben ihn nach ſeinem Landſitze hinaus⸗ geſchafft, um ihn dort zu begraben.“
„Mylord?“ ſagte der Knabe;„war das Der, welcher die Stulpenſtiefeln trug und dann Soldat geworden iſt?“
Das alte Weib hatte Mylord nie in Stulpenſtiefeln ge⸗ ſehen, aber gehört, daß ſein Vater ſolche getragen und eine Poſtkutſche mit Vieren gefahren hatte. Soldat wäre indeß keiner von ihnen geworden.
„Was ſoll aber das Wappenſchild?“ frug der Knabe.
Sie hängen's ein Jahr lang auf, meinte ſie, wie eine Art von Monument. Sie könnte ihm nicht ſagen, was das Geſchriebene darauf bedeute. Es wäre Mylords Motto; das ſei Alles, was ſie darüber wiſſe. Und da ſie eine gutmüthige alte Frau war und ſich nicht der Furcht vor Räubern hingab, nahm ſie den Knaben mit in die Küche hinunter und ſpeiſte ihn. Als er auf die Oberwelt zurück⸗ kehrte, wurde er von einem Conſtabler am Kragen gepackt, »weil er ſich in den Souterrains herumgeſchlichen hätte«, doch nach genügenden Erklärungen wieder in Freiheit ge⸗ ſetzt, um, barfuß, nach Hauſe zu humpeln, nach ſeinem Hofe, wo die Cholera herrſchte. Der arme kleine Burſche ließ ſich dabei wenig träumen, welch' eine wichtige Rolle der


