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Wolmar folgte allen dieſen Plaudereien, folgte den Seden an die Univerſitätszeit, die Freydank mit Laune ſchilderte, eine Zeit, wo man ſich über die Frage, ob Schiller oder Goethe mehr Jenaer Bier ge⸗ trunken hätten, noch duelliren konnte. Was trat da nicht alles lebensvoll ung' friſch vor die umdüſterte Seele des armen Leidenden, der lächelnd zuhorchte und auch mancher Thatſache zunickte, die ihm wieder⸗ kehrte, wenn auch noch ohne den vollſtändigen Zuſam⸗ menhang! Da wurde ihm ein Bekannter vom Rheine gemeldet, der ihn zu ſprechen wünſche; Guntram, hieß es. Freydank bepbachtete die Wirkung. Faſt zu me⸗ chaniſch gab Wolmar die Zuſage, faſt zu fremd war ſeine Wiederholüng des Namens. Guntram trat ein. Das matte Licht erſchwerte ihm die Orientirung. In einem ſonſt behaglichen kleinen Salon lagen Bücher und Schreibmaterialien wirr durcheinander und Wol⸗ mar ſelbſt bot einen Anblick, der erſchüttern mußte. Wie hatte ein Leiden des Körpers und der Seele den jungen blühenden Mann umgewandelt! Spärlich hingen an ſeinem Haupte die einſt ſo vollen Locken, die Wange war gehöhlt, das Auge tief; weiß und mager waren die Hände und die Stimme war eine faſt flüſternde vor Schwäche und Unbeſtimmtheit.
Gutzkow, Diakoniſſin. 1 4


