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Die Diakonissin : ein Lebensbild / von Karl Gutzkow
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Flora und entſendet Zauberdüfte, die ſelbſt denjenigen immer noch berauſchen, der ſich an das Einathmen einer ewigen Blüthenatmoſphäre hier ſchon ge⸗ wöhnt hat. Die Nacht aber iſt die Feierſtunde dieſer ſchö⸗ nen ſüdlichen Welt. Sie bricht an, ſelbſt nur ver⸗ gleichbar dem ſich erſchließenden Kelche einer jener Wunderblumen, zu denen wir in unſern Treibhäu⸗ õ ſern emporblicken wie zu beſeelten Weſen, zu Sitzen feenhafter Geheimniſſe; ſie iſt ſelbſt ein Traum, den die ſchlummernde Natur zu träumen ſcheint. Gold⸗ gelb ſchwimmt der Mond, der Erde näher gerückt wie zur unmittelbarſten Zwieſprache, geiſterhaft in einem Meer lichtheller, wie Nebel zerfließender Wol⸗ ken. Ein Dämmerungsſchleier webt ſich über jede Fernſicht und deckt die ſchlummernden zur Ruhe geſchloſſenen Kelche der Mimoſen, während die Rie⸗ ſenfächer der Palmen nur von dem leiſen Winde des Meeres dann und wann feierlich bewegt ſind, Allem, was in dem ſtillen Raume lebt, ſanfte Kühlung zufächelnd. Die Düfte wechſeln in den ſich um⸗ werfenden Strömungen der Luft je nach neuen Blüthen, deren Geburtsſtunde die Pflanze gerade in der Nacht überraſcht. Leuchtkäfer blitzen auf wie

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