Druckschrift 
Lorbeer und Myrte / von Julius Grosse
Entstehung
Einzelbild herunterladen

268 Garten hinauf und verſchwand gleich darauf in der breiten Thür der Villa.

Walter aber ruderte jetzt allein auf den theilweis nebligen, windſtillen See hinaus, deſſen ferne Höhe in goldenem Sonnenglanz ſchimmerte. Bilder der Erin⸗ nerung an jene erſten ſchönen Tage, da er Angelica kennen gelernt, zogen herauf, Bilder der Erinnerungen an ſeine früheſte Jugend, an ſeine verfehlten Beſtrebun⸗ gen, an alle ſeine Irrfahrten und Selbſttäuſchungen.

Wie dunkle Wolken eines abziehenden Gewitters, ſo

zogen jetzt die beiden letzten Jahre an ſeinem Gedächtniß vorüber und eine ſtille, andächtige, feierliche Wonne füllte ſein Herz, als er auf die ſonnebeglänzten Hügel am Kloſter Eggersheim hinüberblickte und ſeiner gol denen Zukunft gedachte. Wie aber, wenn dennoch die Mutter den alten Haß heraufbeſchwor oder wenn die Oberin nicht Wort hielt, Angelica freizulaſſen!

Eine Reihe düſterſter Vorſtellungen durchzog ſeine Seele und er blickte zweifelnd in die dunkelgrünen

Tiefen; aber ſie hatten heute nichts Drohendes mehr,

er wußte, daß Angelica ſein war auch ohne Zuſtim⸗ mung der Mutter.

Jetzt klangen wieder die Kloſterglocken von Eggers⸗ heim und auf der ſchmalen Straße am Seeufer kam ein einſpänniger Wagen herangerollt.

in