Teil eines Werkes 
2. Band (1873) Die neue Hagar / von Julius Grosse
Entstehung
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und warfen ihren dunklen Schatten über die ganze Stadt und Landſchaft. Nur im Weſten war es hell, und mit grellrothem kaltem Licht brach die ſinkende Abendſonne noch einmal unter den ſchwarzen Wolken⸗ mauern hervor, ſo blendend und unheimlich, als be⸗ ſchiene ſie eine grauenvolle That, als läge ein unge⸗ heures Verbrechen in der Luft, auf der Erde überall. Dazu machte ſich jetzt der ſauſende Abendwind auf, und ſein Heulen übertönte das ſchrille Signal des eben abgehenden Bahnzugs.

Halb athemlos waren Carlman und Philomena am Hauſe angekommen und ſtürmten die Treppen em⸗ por durch die offenen Thüren in die Zimmer.

Die ganze Wohnung war menſchenleer und tod⸗ tenſtill.

Das Kind lag ſchlummernd und ruhig athmend in der Wiege und drückte ſein kleines ſchmales Antlitz in die Kiſſen. Carlman fiel ein Stein vom Herzen, und Philomena beugte ſich mit freudetrunkenem Blick über das Bettchen.

Von Erna war keine Spur zu ſehen.

Nach langem Suchen trieb Carlman endlich im Hof die alte Gertrud auf.

Wo iſt meine Frau?

Weiß nicht, Herr Inſpector! Iſt ſie nicht oben? 13*