Teil eines Werkes 
2. Band (1873) Die neue Hagar / von Julius Grosse
Entstehung
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Aber ſie kam noch einmal zurück und bedeckte ihr Kind mit Küſſen.

„Halte meinen Kleinen gut, Erna. Er iſt mein Leben, mein Frieden, mein Eins und Alles. Ich frage nichts mehr nach Glück und Segen auf Erden, ich habe Euch Alles geopfert, Alles, Alles, ſeid darum nicht undankbar und behaltet mich lieb.“

Mit überſtrömenden Augen eilte ſie davon.

Die beiden Gatten blieben allein, ſchweigend, ver⸗ ſchloſſen und gedankenvoll jedes für ſich.

Carlman ließ das Kind nicht aus ſeinen Armen, er trug es herum, er ſchaukelte es, er ſchläferte es ein mit leiſem Geſang. Kaum hatte er es einen Augen⸗ blick auf das Kiſſen gelegt, als ſich ſofort Erna deſ⸗ ſelben bemächtigte und tauſend Zärtlichkeiten an das Kind verſchwendete, als könne ſie damit die tiefe Kluft ausfüllen, die ſich an dieſem Tage zwiſchen den Gatten geöffnet hatte.

Vergebens verſuchte ſie einige Male ein Geſpräch anzuknüpfen über gleichgültige Dinge. Carlman blieb ſtill und ablehnend und ging langſam im Zimmer auf und nieder. Bisweilen ſtand er am Fenſter ſtill und ſpähte hinaus in die mondhelle Herbſtnacht und hinauf zu den ewigen Sternen, die groß und klar am unbe⸗ wölkten Firmament ſtanden.