Teil eines Werkes 
2. Band (1873) Die neue Hagar / von Julius Grosse
Entstehung
Einzelbild herunterladen

29

Philomena erſchrak faſt über dieſen leidenſchaft⸗ lichen Ausbruch.

Aber was haſt Du denn, Erna? Ich begreife Dich nicht, Du verheimlichſt uns etwas.

Mit Mühe beruhigte ſich allmälig die erregte Frau und trocknete ſich die Augen. Dann küßte ſie ihre Schweſter wiederholt.

Nicht wahr, ich bin ein rechter Narr, liebe Phi⸗ lomena? Wenigſtens muß ich Dir ſo vorkommen. Mein Gott, wer kann vom Himmel auch Alles verlangen wollen! Wir müſſen zufrieden ſein mit dem, was er uns gibt. Es iſt wahr, wir haben unſer Auskommen, unſer ſchönes Auskommen und legen ſogar zurück. Wie Wenige können das ſagen, daß ſie frei von Sor⸗ gen ſind und ruhig in Frieden leben mit ſich und der Welt. Dabei iſt Carlman ſo gut, ſo gut, Schweſter ja, ja, ich bin an Allem ſchuld!

Aber woran denn in aller Welt? Ihr ſeid wirk⸗ lich die wunderlichſten Leute, die ſich lieb haben und quälen, und jedes von beiden nimmt die Schuld auf ſich!

Laß gut ſein, Philomena, laß gut ſein, ſagte Erna, als wolle ſie ablenken.Ich bin manchmal recht thöricht, wie ich eigentlich immer war. Du ſiehſt es ja, die böſe Einſamkeit hat mich nicht beſſer gemacht.