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Schüchternheit und Verſchämtheit zögernd, ſtand ein unges Mädchen auf der Schwelle. Es war gleichſam Erna in zweiter, verklärter Geſtalt. Derſelbe ſchlanke Wuchs, dieſelben tiefen, treuen, nachdenklichen Augen, daſſelbe feine Oval des Geſichts mit den ſammtenen Wangen und dem reichen Haar, mit dem energiſchen Kinn und den vollen Lippen, dieſelbe Fülle der For⸗ men, aber Alles faſt um zehn Jahre jünger und friſcher, die Augen glutvoller, die Lockenfülle wilder, das In⸗ carnat tiefer, und vollends jetzt ſchien es von einer dunk⸗ len Röthe überhaucht zu ſein, als das Mädchen zögerte, die Schwelle zu übertreten.
Carlman ſtand einen Moment wie geblendet, dann ſtreckte er ſeine Hände aus.„
„Mädchen, Philomena, biſt Du's wirklich? Blitz, was iſt das Kind ſchön geworden! Nur näher, mein Kind, nur näher. Iſt es aber auch recht, einem eine ſo reizende, heimtückiſche, liebevolle Ueberraſchung zu machen? Nun, kennſt Du mich wirklich nicht mehr?“
„Doch Schwager.“ Und Philomena ſchlug ihr zartes, weiches Auge auf, und der tiefe Blick deſſelben ruhte faſt mit einem Ausdruck des Vorwurfs und des For⸗ ſchens auf dem Gatten der Schweſter.„Wir kennen uns ja, Carlman“, ſagte ſie mit milderem Tone und ſchlug in ſeine ausgeſtreckte Hand ein.


