„Auch heute, Carlman, auch am Sonntag läſſeſt Du mich allein?“ ſprach ſtumm und vorwurfsvoll ihr weiches, dunkles Auge, obgleich ihr Kopf nickte und die Lippe ſagte:
„Geh, aber bleib' nicht zu lange.“
Carlman war bereits in der Nähe der Thür, als er ſich noch einmal umwandte, gleichſam angezogen von der magnetiſchen Gewalt ihres Blickes.
„Erna, Du weißt es ja, ſei nicht böſe, der Sonn⸗ tag iſt die einzige Zeit, wo ich mir dieſe kleine Freude machen kann.“
„Jawohl, geh nur“, ſagte ſie und ein ſchwaches Lächeln umſpielte die vollen Lippen.„Ich habe Dich zwar die ganze Woche nicht, denn um fünf Uhr gehſt Du auf die Bahn, Mittag kommſt Du auf eine Stunde und vor der ſinkenden Nacht ſehe ich Dich nicht wieder. Trifft Dich aber der Nachtdienſt, ſo mußt Du umgekehrte Ord⸗ nung machen und bei Tage ſchlafen. Dann haben wir uns gar nicht mehr. Ja, ja, geh nur, Carlman, Du mußt Deine Zerſtreuung haben, das ſehe ich ein.“
„Zerſtreuung, Kind— es iſt ja eine Chriſtenpflicht; wenn Du nur einmal mitkommen wollteſt.“
„Warum nicht, wenn Du wie andere Deiner Freunde zum Schoppen gingſt und mit Leuten zu⸗ ſammenkämſt, die Dich aufheitern könnten. Gleich
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