Teil eines Werkes 
2. Band (1873) Die neue Hagar / von Julius Grosse
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Erſtes Kapitel.

Die Glocken läuten ſchwer und eintönig über die weißen Dächer der Stadt dahin. Es iſt Sonntag, eine unendliche Ruhe, ein tiefer Schlaf ſchwebt in der laut⸗ loſen Luft, ſchwebt um die beſchneiten Baumwipfel, um die dämmernden Thürme, um die dunkeln Straßen, wo der blendende Schnee neues Zwielicht verbreitet. Du ſiehſt Menſchen gehen und Wagen fahren, aber nur wie in einem Schattenſpiel. Du hörſt ſie nicht, denn die Schneemaſſen verſchlingen jeden Laut, ſelbſt den dröh⸗ nenden Donner, das brauſende Rollen der Bahnzüge und das ſchrille Pfeifen der Signale. Das Gewühl am Bahnhof geht heute feierlich und lautlos vor ſich, als wäre die Station der Haupt- und Reſidenzſtadt ein großer Gottesacker.

Wohl dem, der ein Daheim hat an ſolchen Tagen,

denn ſie laſſen empfinden, daß man alt wird; und das Groſſe, Offene Wunden. II. 4