Teil eines Werkes 
1. Band (1873) Graziana / von Julius Grosse
Entstehung
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Was ſoll ich noch hinzuſetzen: ſie iſt jetzt vor dem Altar Graf Fedor's Gemahlin geworden, um mit Sandor Uglitſch und deſſen Schweſter Kathinka nebſt ihrem Gatten zuſammen nach Italien zu gehen, wo ſie dieſen Winter verleben wollen.

Das iſt die Geſchichte Graf Fedor's. Wenn es etwas genützt hat, daß er ſie mir erzählte, denn nur dadurch ward ich in den Stand geſetzt, ihm den Rächer nachzuſenden, ſo war andererſeits ſein urſprünglicher Wunſch wohl als aufgehoben zu betrachten.

Ihm, dem Glücklichen, konnte jetzt nichts mehr daran liegen, ob dieſe Vorfälle zu Papier gebracht wurden, ſei es für ihn, ſei es für die Oeffentlichkeit. Mich aber verließ dieſe Verkettung ſeltſamer Geſchicke nicht mehr, und zuletzt erging es mir ähnlich wie Graf Fedor ſelbſt. Ich wurde unruhig und fand keinen Frieden mehr, bis ich verſucht hatte, jene Charaktere und Vorfälle zu geſtalten.

Wie nun dieſe urſprünglichbeſtellte Novelle ſo daſteht, iſt ſie freilich nicht mehr als ein Rohſtoff, aus dem eine begabtere Künſtlerhand, ein erfahrnerer Welt⸗ und Menſchenkenner vielleicht ein intereſſantes Werk zu ſchaffen im Stande wäre. Jedenfalls müßte er die ruſſiſchen Sitten, Zuſtände und Charaktere ſo genau kennen und ſo tief erfaſſen wie ein Turgénjew, an