Teil eines Werkes 
2. Bd. (1871)
Entstehung
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ſollte ich eigentlich fragen? Daß ſie mein Verhältriß mit Gretchen ſo haſtig gefördert hatte, um einer mög lichen eigenen Verſuchung zuvorzukommen, das war mir jetzt ſonnenklar, und daß ſie vielleicht gemeint hatte, ich ſei wieder völlig frei geworden, als ich mich um Gretchen nicht mehr bekümmerte, daß ſie ſich ſelbſt zürnte, weil ſie ſich in dieſer Vorausſetzung eine Blöße gegeben, auch das ſchien mir jetzt klar und kei⸗ ner Frage zu bedürfen, aber ich wollte es dennoch aus ihrem eigenen Munde hören.

Sagen Sie mir, theure Freundin, in Ihrer Handlungsweiſe iſt mir noch ein Räthſel geblieben. Warum eigentlich haben Sie Gretchen ſo lange ver⸗ borgen gehalten? Die Sicherheit vor jenem Zudring⸗ lichen war doch nur ein Nebengrund.

Das war ſie auch ſagte ſie,aber die Haupt⸗ ſache waren Sie! Das arme Kind härmte ſich, weil es ſich von Ihnen verlaſſen ſah. Ich hoffte, ſie ſollte hier ihre thörichte Leidenſchaft völlig vergeſſen.

Und davon ſagten Sie mir nichts?

Weil ich Sie auf die Probe ſtellen wollte. Wenn ich gefunden hätte, daß Sie Gretchen nicht mit ganzem Herzen angehörten, daß Sie das gute Kind einſt unglück⸗ lich gemacht haben würden, dann hätte ich mein gutes

Werk wieder zerſtört und Sie beide auf immer getrennt. 10*