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Schon wollte ich des Wartens müde mich wieder ent— fernen, als die Thür aufging und Frau Coralh mir mit fliegendem Athem entgegentrat.
Sie war in höchſtem Grade aufgeregt und ſank auf ein altes Modell von Capitäl nieder, um Luft zu ſchöpfen. Noch bevor ſie wieder die Sprache gewonnen hatte, holte ſie ein Zettelchen aus ihrer Taſche und reichte mir es hin.
Es ſtanden einige Worte mit Bleiſtift darauf ge⸗ kritzelt, wie man es nur in höchſter Eile thut, auch waren die Züge ſchon halb verwiſcht und nur mit Mühe zu entziffern, aber ſo viel erkannte ich doch, daß es Gretchen's Handſchrift war
„Morgen Nachmittag iſt Niemand zu Hauſe. Rede noch einmal mit dem Vater im Guten. Du wirſt ihn treffen. Anders als mit ſeiner Einſtimmung kann und werde ich ihn niemals verlaſſen. Gr.“
Das war Alles, und damit glaubte das treuher⸗ zige gute Kind den tiefen Abgrund zu ſchließen, den ihr Vater zwiſchen uns aufgethan hatte. Ich konnte dieſes Auskunftsmittel wenig verſtehen. Dazwiſchen war auch Frau Coraly wieder zu Athem gekommen.
„Dies iſt der letzte Dienſt, lieber Freund, den ich für Sie thun kann“, ſagte ſie ſtoßweiſe und tief erſchöpft.„Für die Zukunft müſſen Sie für ſich ſelbſt


