Ich wandte mich zu der bezeichneten Stelle und erſchrak— kaum einige Schritt weit in der fünften Loge ſaß Frau Coraly von Ribbeck, und zwar uns beide mit ſtaunendem, ſtarrem Blicke fixirend. Ich grüßte ſie wiederholt, aber ſie erwiderte nicht, ſie ſchien mich gar nicht mehr zu kennen. Das machte mich betroffen, und ich wußte nicht, was ich davon denken ſollte, als einige alte Bekannte ſich in gleicher Weiſe verhielten.
„Wollen Sie nicht auch den Verfaſſer ſehen?“ flüſterte das kleine Fräulein wieder.„Dort in der Proſceniumsloge neben dem Intendanten— haha, ich glaube, man hat ſchon einige Lorbeerkränze in Be⸗ reitſchaft, wenn der pſeudonyme Herr Kaſimir Wächter herausgerufen wird und dann plötzlich Herr von Thy⸗ mian erſcheint. Mit Geld kann man Alles durchſetzen.“
Mit höchſter Spannung ſpähte ich in den dunklen Raum der Proſceniumsloge mit der ſehnſüchtigen Hoffnung, dort noch ein anderes Geſicht zu entdecken, aber die Hoffnung war vergeblich. Gretchen war nicht zu ſehen.
„Kennen Sie die Familie des Dichters?“ fragte ich beiläufig.
„O mein Gott, nein“, war die ſpitze Antwort. „Wer kann ſich auch um jeden Skandal bekümmern! Herr Kaſimir Wächter hat eine Tochter, ſie ſoll ſehr


